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Engagierte Frauen im SoVD

Kurz bevor der SoVD "100 Jahre Frauen im SoVD" feierte, hat sich aus den mehreren Ortsverbänden eine Frauengruppe gefunden, die zu den unterschiedlichsten Themen arbeitet. Dabei ist es unerheblich, ob frau ein Amt hat oder nicht, sie muss nur Lust haben, sich gemeinsam mit anderen Frauen zu engagieren.

Übrigens: Wenn Sie mitmachen wollen schreiben Sie einfach eine E-Mail an: sovd-internet@web.de.

Kinder und Jugendliche früh über Berufe informieren

Immer mehr Ausbildungsbetriebe im Handwerk klagen über mangelnden Nachwuchs. Häufig können Lehrstellen nicht mehr besetzt werden. Grund genug für den Frauenausschuss des SoVD Lüneburg-Lüchow, sich direkt bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade über die aktuelle Situation zu informieren und eventuell Unterstützung anzubieten.

Mit Hester Hansen, Abteilungsleiterin für Nachwuchswerbung und Ausbildungsberatung hatten die Teilnehmerinnen genau die richtige Ansprechpartnerin. Thema des Treffens war es, wie man junge Leute für das Handwerk gewinnen könnte und anschließend auch motivieren kann, die Ausbildung abzuschließen.

Für alle Frauen war klar: Die Schule ist der Dreh- und Angelpunkt. Wenn nicht sogar schon der Kindergarten.

Christine Haut berichtete von der Oberschule Dahlenburg, die einmal im Jahr alle Betriebe der Region einlädt, um sich zu präsentieren und Praktika anzubieten. Daraus resultierten oft auch Ausbildungsplätze. Hester Hansen bestätigte, dass dieser Weg der richtige sein könnte. Sie empfahl außerdem, dass auch der SoVD sich bei solchen Veranstaltungen präsentieren könne, denn das Thema Rente könne durchaus auch ein Entscheidungsfaktor für die Berufswahl sein. Ein Faktor, der den meisten jungen Leute allerdings nicht bewusst ist.

Die SoVD-Frauen zeigten sich überrascht von der Aufgabenvielfalt der Handwerkskammer. Grundsätzlich gilt es, die Interessen des Handwerks zu fördern, die Behörden in der Förderung des Handwerks zu unterstützen, regelmäßig Berichte über die Verhältnisse des Handwerks zu verfassen, die Handwerksrolle zu führen, die Berufsausbildung, insbesondere auch die überbetriebliche Ausbildung, zu regeln und ihre Durchführung zu überwachen. Dazu gehören zum Beispiel eine Lehrlingsrolle zu führen,Prüfungsvorschriften zu erlassen, Prüfungsordnungen für Gesellen- und Meisterprüfungen zu erlassen und die Geschäfte des Meisterprüfungsausschusses zu führen


SoVD-Frauen besichtigten das Bürger- und Kulturzentrum DahlenburgEine Herzensangelegenheit

Gemeinsam schafft man einfach mehr. Deshalb netzwerken die SoVD-Frauen im Kreisverband Lüneburg-Lüchow. In kleinen Schritten und ein bisschen gebremst durch die Corona-Pandemie vergrößert sich der Kreis der engagierten Frauen, immer weiter. Beim zweiten Frauenfrühstück in Dahlenburg, zu dem die Kreisvorsitzende Brunhilde Ernst eingeladen hatte, tauschten die Teilnehmerinnen emsig Ideen und Kontakte aus und überlegten, wie man sich gegenseitig helfen kann.

Doch es ging nicht nur um SoVD-Themen sondern auch um das neue Bürger- und Kulturzentrum in Dahlenburg, das nach einer langen und teilweise schwierigen Geschichte heute ein modernes Begegnungs- und Veranstaltungszentrum im Mittelpunkt des Fleckengeschehens geworden ist.

Bürgermeisterin und Dahlenburgs SoVD-Vorsitzende Christine Haut stellte die Geschichte des Hauses vor, die bereits 1826 mit den Schützen begann. „Die feierten damals noch im Dorf und hier war nur Dornengestrüpp“, erzählte Christine Haut. Doch nach einer größeren Rodungsaktion entstand dort ein Festplatz und 1854 bauten die Schützen hier ihr erstes Schützenhaus. 1901 wurde es durch ein neues ersetzt, das von der Dorfgemeinschaft genutzt wurde. „Ich selbst war im Schulsport hier“, schmunzelt Christine Haut in Erinnerung an die eiskalten, nicht beheizbaren Räume. Doch auch Marine, Kriegsflüchtlinge und der Reichsarbeitsdienst hatten in dem alten Schützenhaus zeitweise Unterkunft gefunden. Doch auch dieses Gebäude musste nach langen Diskussionen um Sanierung oder Abriss dem Zahn der Zeit weichen. 

2019 wurde dann der Grundstein für das Bürger- und Kulturzentrum an der gleichen Stelle gelegt und ein Jahr später war der Bau fertig. Das Ganze hat rund zwei Millionen Euro gekostet, Geld das vor allem an Betriebe in der  Region ging. „Aber es ging um viel mehr, es war eine Herzensangelegenheit“, betonte Christine Haut. „Wir sind stolz, dass wir alle Schwierigkeiten gemeistert haben.“

Das Gebäude ist ausgesprochen durchdacht konzipiert und für alle Arten von Veranstaltungen nutzbar. Sei es nun eine Konzernfortbildung, ein Schützenfest oder Vereinsarbeit. Der Buchungskalender von Christine Haut ist bereits ziemlich gut gefüllt, was nicht nur an dem modernen und vielseitigen Gebäude sondern auch dem günstigen Mietpreis liegt.

Doch Christine Haut ist sich sicher, dass das Bürger- und Kulturzentrum viel mehr ist: „Es ist eine Aufwertung der bürgerlichen Gemeinschaft.“


Neue Kreisfrauensprecherin Brunhilde Ernst lud zum ersten FrauenfrühstückSoVD-Frauen machen mobil

Monatelang hat die Arbeit der SoVD-Ortsverbände geruht, doch jetzt hat die neue Kreisfrauensprecherin Brunhilde Ernst die Mitglieder aus dem Dornröschenschlaf geholt. Zum ersten Frauenfrühstück kamen 16 Frauen aus 12 Ortsverbänden nach Adendorf in die „Teichaue“. Ziel des Treffens war es, dass die Frauen sich gegenseitig kennenlernen, vernetzen und künftig auch bei Aktionen unterstützen.

„Ich möchte nicht die Frauensprecherin irgendwo da oben im Kreisvorstand sein, sondern ich möchte Sie wirklich kennen lernen“, sagte Brunhilde Ernst zur Begrüßung. „Dieser persönliche Kontakt ist mir sehr wichtig.“ Seit dem 1. April ist die Bardowickerin jetzt im Amt und eigentlich wollte sie alle Ortsverbände persönlich besuchen. „Aber das hat ja leider nicht geklappt und jetzt machen wir es eben anders.“ Sie berichtete von den Aktionen der SoVD-Frauengruppe LüLü in den vergangenen drei Jahren und ermunterte die Frauen, sich ebenfalls zu engagieren.

Beim gemeinsamen Frühstücken mit dem gebührenden Corona-Abstand kamen an den Tischen schnell Gespräche auf, so dass die Atmosphäre bis zur offiziellen Vorstellungsrunde schon deutlich aufgelockert war. Die Frauen berichteten, was sie vor Ort trotz Corona auf die Beine gestellt hatten. Viele Ortsverbände hatten sich an der Aktion „Helfende Hände“ während der ersten Wochen der Pandemie beteiligt.

Die Idee der Vernetzung kam bei den Frauen gut an. „Wir könnten auch mit anderen Vereinen kooperieren, wie etwa dem DRK oder den Landfrauen“, schlug etwa Christine Haut aus Dahlenburg vor. Statt zu vermeiden, dass mehrere Vereine Veranstaltungen am gleichen Tag oder zum gleichen Thema organisieren, könne man sich schlicht zusammentun.

Einig waren sich die Frauen, dass man dringend neue, jüngere Mitglieder gewinnen müsse. Regina Burmester aus Bardowick regte an, künftig Veranstaltungen für die ganze Familie mit in das Programm aufzunehmen, um so auch mit jüngeren Menschen in Kontakt zu kommen. Monika Quade aus Neetze wünschte sich insgesamt eine Verjüngung des Vereines. „Vielleicht wäre ein Imagewandel hier wichtig, dass der SoVD eben auch etwas anderes macht als nur Kaffeetrinken und Busfahrten.“ Kreisvorsitzende Elfi Rosin unterstützte das: Durch politische Aktionen könne man dem Verband vor Ort ein neues Profil geben. „Wir arbeiten auf Landes- und Bundesebene schon immer sehr aktiv an politischen Entscheidungen mit“, erklärte sie. „Das wissen nur viele Menschen gar nicht.“

Die Resonanz auf dieses erste Treffen war durchweg positiv. Kein Wunder, dass der Vorschlag von Brunhilde Ernst, sich im Herbst erneut zu treffen von allen Teilnehmerinnen begrüßt wurde.


Nach den Regeln der Männer

Anikò Hauch steht entspannt am Rande des Saales, in dem die Zuhörer nach und nach ankommen. Obwohl sie nichts sagt oder tut, fällt sie auf: Es ist ihre Ausstrahlung, die sie sichtbar macht. Etwas, das zu der harten Schule gehört, wenn man als Frau in der Männerwelt mitmischen will.

Beim zweiten SoVD-Erzählcafé in Reppenstedt berichtete Anikó Hauch aus ihrem Leben und über ihre persönlichen männlichen Stolpersteine. „Das fing schon mit meinem Namen an“, plauderte die Wirtschaftsjuristin. „Weil er auf „o“ endet, hielten mich viele für einen Mann.“ Ständig bekam sie Mails und Briefe an „Herrn Hauch“, doch als sie deswegen vorstellig wurde, ignorierte Mann sie. Eine Kleinigkeit, könnte man meinen, doch dieser kleine Buchstabe sorgte für manche Überraschung bei Bewerbungsgesprächen, wo die Personalchefs eindeutig einen Mann erwartet und die Frau so schnell wie möglich wieder los werden wollten.

Schon als junge Frau hatte Anikó Hauch dieses kleine Problem mit ihrem aus dem ungarischen stammenden Vornamen. Kein Wunder, dass sie sich schon früh für die Mechanismen zwischen Männern und Frauen interessierte. „Alles ist verschieden, alles spielt eine Rolle“, erklärte Anikó Hauch. Sprache, Körpersprache, Kleidung und Auftreten können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dazu hatte die Wirtschaftsjuristin eine große Kiste Lesematerial mitgebracht und eine Literaturliste, die die Zuhörerinnen gern mitnahmen.

Anikó Hauch entwickelte eine Strategie und machte sich selbstständig. Ausgerechnet als Headhunterin und ausgerechnet spezialisiert auf typische Männerberufe. Mit Erfolg.

Schnell entspannen sich Diskussionen unter den Zuschauern. Ob sie denn als Personalmanagerin auch hatte feststellen müssen, dass Frauen mit gleicher Qualifikation nicht so gern genommen würden oder auch, dass ihnen schlicht weniger Geld angeboten werde. Beides musste Anikó Hauch bestätigen. „Das ist leider so, aber wir leben nun einmal in einer männerdominierten Gesellschaft und müssen nach deren Regeln spielen, wenn wir etwas erreichen wollen.“

Das SoVD-Erzählcafé ist eine Veranstaltungsreihe, die anlässlich „100 Jahre Frauen im SoVD“ und 100 Jahre Frauenwahlrecht ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Zuhörer für das Thema Ungleichberechtigung zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt des Erzählcafés steht immer eine Frau, die aus ihrem Leben berichtet. Vor allem darüber, wo sie als frau diskriminiert wurde. In der anschließenden Diskussion geht es um persönliche Erlebnisse von Referentin und Zuhörern und wie man etwas dagegen tun kann.

100 Jahre Frauenwahlrecht: Es gibt noch viel zu tun
Vortrag mit Hiltrud Lotze

„Selbstbewusste Frauen haben schon immer gesungen.“ Die Chorleiterin des Lüneburger Frauenchores L’Ohreley, Karin Malangré, weiß wovon sie spricht: Die Macht der Musik ist durchaus etwas, dass die Frauenrechtlerin aller Zeiten genutzt haben. Der Chor gestaltete das musikalische Rahmenprogramm am Vortragsabend „100 Jahre Frauenwahlrecht – und nun?“ im Rathaus Adendorf, zu dem der SoVD im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „100 Jahre Frauenrechte“ eingeladen hatte.

Eingestimmt mit dem „Marsch der Suffragetten“ begrüßte Bürgermeister Thomas Maack die rund 30 Zuhörer des Abends. „Endlich ist mal wieder etwas los im Rathaus“, schmunzelte er. Er dankte dem SoVD für die „vielen Vorschläge für interessante Veranstaltungen“ und berichtete vom Adendorfer Gleichstellungsplan. Von 183 Mitarbeitern im Rathaus sind 73 Frauen, doch in den 16 Führungspositionen sind sie den Männern mit 56 Prozent überlegen. „Im Rat sieht das ein bisschen anders aus“, rechnete der Bürgermeister vor. „Hier sind 85 Prozent Männer, da wünschte ich mir mehr Frauen.“

Dass der Weg zu Frauen in der Politik ein langer und steiniger war, davon berichtete anschließend Referentin Hiltrud Lotze. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete stellte gleich zu Beginn ihres Vortrags klar: „Frauen, macht Politik“. Nur so könne frau Einfluss nehmen auf Dinge, die ihr Leben direkt betreffen.

Sie nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Zeit, beginnend bei der französischen Revolution, wo ihrer Meinung nach die Wurzeln des Befreiungskampfes der Frauen lag. „Es war die Zeit der Revolutionen, in der alles im Umbruch war“, berichtete Hiltrud Lotze. „Die ursprüngliche Forderung der Frauen jedoch war das Recht auf Bildung.“ Frauen durften damals nicht arbeiten, keine Politik machen und hatten auch kein Versammlungsrecht. „Diese Verboten haben die Frauen kreativ umgangen, in dem sie Wohltätigkeitsvereine gründeten“, so Hiltrud Lotze. 

Die Referentin zeigte auf, wie sich die Frauen ab 1900 langsam aber sicher organisierten, bis der erste Weltkrieg schließlich alles beschleunigte. Bei dieser ersten Wahl mit Frauen am 19. Januar 1919 wurden 9,7 Prozent Abgeordnete - heute sind es knapp 30 Prozent.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es deutlich mehr Frauen als Männer. „Diese Frauen engagierten sich aber zunächst nicht in der neu formierten Politik, sondern gründeten Frauenausschüsse, in denen sie Frauen über ihre demokratischen Rechte aufklärten“, erzählte Hiltrud Lotze vom Neubeginn. Als 1949 an der neuen Verfassung gearbeitet wurde, starteten die Frauen jedoch eine bis dahin einzigartige Aktion: „Sie verschickten Tausende von Postkarten.“ Die Botschaft: Der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ muss in das neue Grundgesetz. Das Gesetz enthielt jedoch noch etliche andere Paragrafen, die auf den alten Verfassungen basierten, in denen Frauen nicht gleichberechtigt waren. „Eigentlich sollten all diese Gesetze bis 1953 angepasst werden, doch tatsächlich muss die Politik noch bis heute nachbessern“, machte Hiltrud Lotze klar. Erst 1958 kam das Gleichstellungsgesetz und 1994 – fast 40 Jahre später – wurde der Staat gesetzlich verpflichtet, die Gleichberechtigung durchzusetzen.

Doch der SoVD weiß, dass das bis heute nicht geklappt hat. Am deutlichsten wird das beim Equal-Pay-Day und der Rente. Hiltrud Lotze forderten die Frauen auf sich zu engagieren: „Politik ist die Schlüsselposition, um Dinge zu gestalten, deshalb ist es wichtig sich in den Ortsparlamenten zu beteiligen.“

Geschichten über SoVD-Frauen

Gellersen. Ohne Frauen läuft nichts. Das wissen sogar einige Männer. Besonders deutlich wird das in diesem Jahr, da sich das Wahlrecht für Frauen in Deutschland zum 100. Male jährt. Wie wichtig die Frauen auch für den Aufbau des SoVD waren, zeigt der Film „100 Jahren Frauen im SoVD“, den der SoVD zu diesem besonderen Anlass gedreht hat. Der damalige Reichsbund war die erste Kriegsopferorganisation überhaupt, die Frauen aufnahm. Die Frauensprecherinnen Christiane Meyer, Hannelore Ortstein und der Ortverband Gellersen nahmen das zum Anlass zu einem gemeinsamen Filmcafé in das Gellersenhaus nach Reppenstedt einzuladen.

„Pflichten hatten die Frauen in unserer Gesellschaft schon immer, aber die Rechte mussten sie sich mühsam erkämpfen“, erinnerte Kreisvorsitzende Elfi Rosin zur Begrüßung. „Dazu haben die Frauen im SoVD viel beigetragen.“ Der Kampf währt bis heute, wie Elfi Rosin deutlich machte: Ungleiche Bezahlung, schlechteren Renten für Frauen und kaum Führungspositionen zeigen, dass es noch viel zu tun gibt. „Insbesondere im Europa-Wahljahr kommt es deshalb darauf an, ein starkes Zeichen für die Frauenrechte und eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu setzten“, betonte die Kreisvorsitzende. „Wir Frauen im SoVD fordern Gleichberechtigung – nicht gleich sondern sofort.“ Mit leisem Schmunzeln begrüßte sie auch ausdrücklich die Männer: „Fühlt Euch nicht als Quotenmänner, ich bin stolz auf Euch, dass Ihr Euch getraut habt hierherzukommen.“ Sie berichtete von der Suffragetten-Aktion des SoVD-Frauennetzwerkes aus den unterschiedlichsten Ortsverbänden und den Reaktionen der Landräte in Lüneburg und Lüchow.

Schon bald entspannt sich eine lebhafte Diskussion über Frauen heute und Damals. „Ich weiß noch, dass der Reichsbund damals dafür gesorgt hat, dass die private Handelsschule hier staatlich anerkannt wurde“, erinnerte sich Rita Witte. „Deshalb hat meine Mutter das Schulgeld für ein ganzes Jahr zurückbekommen.“

Mit Interesse verfolgten die Gäste des Film-Cafés die Geschichte der SoVD-Frauen, die der Film anschaulich zeigte. Von den Anfängen kurz nach dem Ersten Weltkrieg, über den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Aufgaben, vor denen die Frauenbewegung auch heute noch steht. Dabei wurden immer wieder Frauen vorgestellt, die sich engagiert haben, wie etwa Ida Rischa aus Hamburg, die von Anfang an dabei war und nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Frau im Bundesvorstand mitgearbeitet hat.

Wenn es nach den Gästen des Filmcafés gegangen wäre, hätten die anschließenden Diskussionen noch lange weitergehen können.

SoVD-Frauenfrühstück und „100 Jahre Frauenwahlrecht“

100 Jahre Frauenwahlrecht waren für die Frauen des SoVD-Dannenberg Grund genug, um sie zum Thema ihres Frauenfrühstückes zu machen. Als Fachfrau hatten die SoVDlerinnen dazu die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Elbtalaue, Susanne Götting-Nilius eingeladen.

Sie referierte über die Anfänge der Frauenbewegung um 1800 herum. „Im 19. Jahrhundert bildeten sich Frauenvereine und Frauenstimmrechtsbewegungen, die sich für Frauenrechte einsetzen“, berichtete sie. Der erste internationale Frauentag wurde schon am 8. März 1911 gefeiert. Trotzdem machte Susanne Götting-Nilius deutlich: „Trotz Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919 waren und sind die Frauen in den deutschen Parlamenten unterrepräsentiert“, erklärte sie. „Heute beträgt der Frauenanteil im Bundestag etwa 30 Prozent und im niedersächsischen Landtag 27 Prozent“.

Wie erfuhren die Menschen in Dannenberg von diesen Ereignissen? "Richtig interessant wird Geschichte insbesondere dann, wenn man sie lokal, vor Ort, nachvollziehen kann"  sagte Götting-Nilius. Damals berichtett die Zeitung über die vermeintlichen „Untaten“ der englischen Suffragetten, jedoch nicht über die Anfänge der Frauenbewegung in den deutschen Großstädten. Am 16.November 1918 - dem Tag als das Wahlrecht Gesetz wurde – fand sich nur eine kleine Notiz über die gravierende Änderung der Wahlordnung zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung, wonach künftig auch Frauen erstmals am 19. Januar 1919 wählen durften. In Dannenberg sind bis heute die Wahllisten dieser ersten Wahl vorhanden, aus denen man ersehen kann, welche Frauen damals kandidierten und gewählt wurden.

Als kleines Dankeschön für den Vortrag überreichte die zweite Vorsitzende des SoVD-Ortsverbandes Dannenberg, Angelika Schmidt, eine Gedenkmünze „100 Jahre Frauenwahlrecht“ an Susanne Götting-Nilius.

Suffragetten loben Lüchows Verwaltung

Lüchow. „Oha, Sie sehen ja gut aus.“ Landrat Jürgen Schulze betrachtet überrascht die sechs „Suffragetten“, die da in seinem Konferenzraum stehen. Mit ihren langen dunklen Mänteln und den mit kämpferischen Slogans beschrifteten Schärpen wirkt die Frauengruppe des SoVD wie aus dem Geschichtsbuch gefallen. Doch tatsächlich hatte der Besuch der Damen einen höchst aktuellen Anlass: 100 Jahre Frauenwahlrecht und – Halbjahreszeugnisse.

„Wir haben uns erlaubt, auch Ihnen ein Zeugnis auszustellen“, erklärte die SoVD-Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer und verlas eine kleine Resolution, die nicht nur Verbesserungsvorschläge sondern auch Lob enthielt. Jürgen Schulz lauschte aufmerksam und nahm zu jedem Punkt Stellung.

Die SoVD-Suffragetten lobten den Landrat dafür, dass Frauen in seiner Verwaltung deutlich mehr Führungsstellen besetzen als etwa im benachbarten Landkreis Lüneburg. „Ich glaube tatsächlich, da sind wir ganz gut aufgestellt“, schmunzelte Schulz. Von den 328 Beschäftigen sind 188 Frauen und 140 Männer. Auch bei den 62 Beamten gibt es mit 35 mehr Frauen als Männer. „In den Stabsstellen haben wir sogar einen Frauenüberschuss, da sind nämlich drei Stellen mit Frauen und nur eine mit einem Mann besetzt“, erläuterte er. Bei den Fachdienstleitungen teilen sich die Geschlechter die Stellen genau auf.

Lediglich die Verwaltungsleitung war bislang eine reine Männerriege, obwohl Schulz auch hier gute Nachrichten hat: „Mit Maria Stellmann aus dem Fachdienst Bauen haben wir jetzt auch eine Frau in unseren Reihen.“

Die Suffragetten regten außerdem an, dass Schulz sich für eine weibliche Nachfolgerin einsetzen soll, wenn er im Oktober 2021 seinen Hut nimmt. Auch hier machte Schulz deutlich: „Ich wage zu behaupten, dass der nächste Landrat eine Landrätin wird, da bin ich mir ziemlich sicher“, verriet er.

Die Kritik der SoVD-Frauen, dass der Landkreis und die Samtgemeinde Lüchow sich eine Gleichstellungsbeauftragte teilen, wies er jedoch zurück. „Die Samtgemeinde Lüchow hat uns gebeten, dass Frau Maatsch übergangsweise in dieser Funktion auch für sie tätig ist“, erklärte er. Dieser Ball liegt sozusagen im Feld der Samtgemeinde. Was die politischen Mandate der Frauen im Kreistag angeht, regte Schulz an, dass doch die SoVD-Suffragetten sich selbst berufen fühlen könnten, in die Politik zu gehen.

Rund eine Stunde lang diskutierte der Landrat mit den Frauen. Dabei ging es nicht nur um Frauenrechte und Gleichstellung sondern auch um harte politische Fakten, wie Haushaltsfragen, Stärkung und Erhalt der Infrastruktur in Lüchow und vieles mehr. Insgesamt waren die SoVD-Suffragetten sehr zufrieden mit ihrem Besuch in Lüchow-Dannenberg. „Wir waren angenehm überrascht von den kompetenten Antworten und der Atmosphäre während des Gespräches“, sagte Christiane Meyer. „Wir sind schon gespannt darauf, welche Innovationen der Landkreis Lüchow-Dannenberg in der Zukunft entwickelt.“

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat wanderten die Suffragetten noch durch die Stadt und verteilten Infoblätter zum Thema Frauenrechte.

Suffragetten in der Stadt

Da staunte Landrat Manfred Nahrstedt nicht schlecht: Acht als Suffragetten verkleidete Damen samt Schärpen und Hüten rauschten in sein Büro. In der Hand eine Resolution, die mehr Frauenrechte in der Verwaltung fordert. „Auch wenn schon 100 Jahre vergangen sind, seit Frauen das Wahlrecht bekommen haben, in Sachen Gleichberechtigung gibt es noch eine Menge zu tun“, sagte SoVD-Kreisvorsitzende Elfi Rosin, während sie dem Verwaltungschef die Resolution in die Hand drückte. Die SoVD-Frauen forderten darin unter anderem eine jeweils eigene Gleichstellungsbeauftragte für Stadt und Landkreis, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und mehr Aufstiegschancen für Frauen in der Verwaltung.

Doch der Landrat sah in diesen Bereichen nicht wirklich einen Handlungsbedarf. „Die Zusammenarbeit mit der bisherigen Gleichstellungsbeauftragten ist gut gelaufen und das werden wir so auch beibehalten“, lehnte er gleich den ersten Punkt ab. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle gebe es im Landkreis von Gleichzeit bis hin zum Jobsharing bereits. Was die Neubesetzung von Stellen angeht erklärte er: „Wir besetzen unsere Stellen streng nach dem Prinzip Leistung, Eignung und Befähigung.“

Der Besuch beim Landrat war der Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Thema Frauenrechte, die sich in den kommenden Monaten fortsetzt (siehe seitlicher Kasten). „Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahren Frauenwahlrecht und 100 Jahre Frauen im SoVD“, erklärte Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer die Idee.

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat machten sich die Suffragetten auf den Weg durch die Einkaufsstraße, um Info-Flugblätter zu verteilen und zu einem Kino-Film einzuladen. Die Passantinnen reagierten aufgeschlossen. „Das ist eine gute Sache, da gibt es noch viel zu tun“, sagte eine Frau und eine andere ergänzte: „Ich erinnere mich noch daran, wie meine Oma mir erzählte, wie sehr sie sich freute, als sie zu ersten Male wählen gehen durfte.“

Die acht Suffragetten zogen die Blicke auf sich und neugierig suchten einige Frauen auch selbst das Gespräch mit den SoVD-Frauen. „Das war wirklich eine tolle Aktion“, freute sich Christiane Meyer. „Auch die Resonanz auf den Kinofilm „Die Göttliche Ordnung“, den wir vom SoVD ins Scala geholt haben, war durchweg positiv.“ In dem Film geht es um ein Schweizerisches Dorf, in dem Frauen sich 1971 das Wahlrecht erkämpften. Die Frauen, die den Handzettel der Suffragetten im Kino vorlegen bekommen 5 Euro Ermäßigung auf den Film.