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Aktuelles

Edeltraud Kassebaum geht in den ehrenamtlichen RuhestandAbschied nach 26 Jahren

Gekommen war allerdings der Ortsvorsteher der Gemeinde Walmsburg, Wilhelm Kastens. „Ich finde, wir als Politiker und Gemeinde sollten uns beim Sozialverband bedanken“, erklärte er. „Früher hatten wir noch die Zeit Menschen bei Fragen der Rente zu beraten und zu helfen, doch heute ist das kaum mehr möglich.“ Für ihn nehmen die Senioren eine wichtige Rolle in der Gemeinde ein. „Wir geben viel Geld für Kinder aus und das ist auch gut so“, sagte er. „Aber manchmal wäre mir wohler, wenn wir etwas mehr Augenmerk auf die ältere Generation legen würden.“

Die turnusgemäßen Vorstandswahlen nahm Cardinahl zum Anlass, sich bei allen zu bedanken, die sich für den Ortsverband in den vergangenen Jahren engagiert haben – sei es nun durch Vorstandsarbeit oder auch mit dem Austragen der SoVD-Zeitung. Jeder bekam Blumen und kleine Gutscheine. Besonders dankte er seiner scheidenden Stellvertreterin Edeltraud Kassebaum, die nach 26 Jahren in den ehrenamtlichen Ruhestand geht: „Das wird sehr schwer für mich, weil Du immer an wirklich alles gedacht hast.“

Viel Dank für die engagierten Mitglieder in BleckedeEhrenamt nicht mehr salonfähig?

Franz Conzem dankte jedem Vorstandsmitglied namentlich für die Arbeit, die sie in den vier Jahren seiner Amtszeit geleitstet hatten und fand für jeden noch ein persönliches Wort des Dankes. Er und seine Frau erhielten von Hans-Jürgen Otte einen kleinen Gutschein, der ihnen den Abschied versüßen sollte.

Cardinahl berichtete aus dem Kreisvorstand von den Erfolgen der SoVD-Rechtsberater vor Gericht und bei den Behörden. „Wir hatten 682 Anträge, 309 Widersprüche und 271 Klagen“, zählte er auf. „Insgesamt wurden knapp 2 Millionen Euro für unsere Mitglieder erstritten.“ Trotzdem gehe man schweren Zeiten entgegen. „Das Ehrenamt ist nicht mehr salonfähig“, bedauerte Cardinahl. „Trotz der rund 9000 Mitglieder im Kreisverband Lüneburg-Lüchow finden sich immer weniger Menschen, die in den Ortsvereinen Ämter übernehmen wollen.“

Die stellvertretende Bürgermeisterin, Anja Hinners, dankte dem Sozialverband für sein Engagement für die Bleckeder Bürger. „Sie sind eine starke Stimme für soziale Gerechtigkeit und ich freue mich, dass es hier in Bleckede nach wie vor einen Ortsverband gibt.“

Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung wurden noch besonders treue Mitglieder geehrt. Für 25 Jahre Mitgliedschaft erhielten Erhard Popp, Elke Bostelmann, Gunda Gerstenkorn und Grete Burghard Urkunden und Ehrennadel des SoVD. „Danke. dass Sie dem SoVD so lange die Treue gehalten haben“, sagte Cardinahl. „Das ist heute nicht mehr selbstverständlich.“

Vorfreude auf die Feier zum 75. Bestehen

Nicht ohne Stolz berichtete Franz von den unterschiedlichen Aktionen des SoVD-Lüneburg im vergangenen Jahr. Von Vorträgen zu Themen wie Alterslotsen oder Diabetes über Frauenengagement am Equal-Pay-Day bis hin zu Sternfahrt nach Hannover, wo der „Inklusionspreis“ verliehen wurde. „Ebenfalls präsent waren wir beim 19. Lüneburger Stadtteilfest in Kaltenmoor“, so Franz weiter. „Dort stellten wir unsere Sozialarbeit vor, aber auch Spaß war mit eingeplant.“ Bei der jährlichen Feier zum Volkstrauertag hielt Bruno Franz die offizielle Ansprache zum Volkstrauertag auf dem Zentralfriedhof in Lüneburg.

Auch für dieses Jahr hat sich der Ortsverband Lüneburg viel vorgenommen: Informationsnachmittage mit den Themen Pflegeversicherung und Patientenverfügung stehen ebenso auf dem Programm wie die „Tanz Treffs für Jedermann“. „

„Der Höhepunkt soll unsere Feier zum 75-jährigen Bestehen des Ortverbandes Lüneburg sein“, verkündete Franz. „Bereits jetzt haben wir viele Zusagen von Verbänden und aus der Politik, sowie vom SoVD-Präsidenten und vom Landesvorsitzender aus Niedersachsen“.

Der Bürgermeister der Hansestadt Lüneburg, Ulrich Löb, bedankte sich für die Arbeit des SoVD Ortsverbandes vor Ort: „Sie setzten sich nicht müde werdend, für die sozialen Probleme in unserer scheinbar immer kälter werdenden Gesellschaft ein.“

Mitgliederzuwachs in Neetze

Wie auch schon in den Vorjahren ist der Ortsverband weiter auf inzwischen 230 Mitglieder angewachsen. „Mir scheint, dass das Soziale in unserer Gesellschaft immer häufiger zu kurz kommt, deshalb treten die Leute bei uns ein“, sagte Raulf bei seinem Jahresbericht.

Diese Meinung teilte auch Helmut Kowalik: „Unsere rund 9000 Mitglieder kreisweit zeigen, dass Sozialpolitik dieses Engagement braucht.“ Bei aller politischen Arbeit dürfe man jedoch vor Ort nicht vergessen, dass Menschen einander brauchen. „Denkt bitte an das Thema Einsamkeit im Alter.“

Neetzes Bürgermeister Karsten Johansson berichtete von aktuellen Vorhaben, wie etwa dem Kreiselbau am Baugebiet Barskamper Weg und dem Umbau des Dorfgemeinschaftshauses. Er dankte dem SoVD für seine Arbeit und betonte: „Ihr bereichert unseren Ort durch Euer Engagement.“ Auch Thomasburgs Bürgermeister Dieter Schröder lobte Raulf du sein Team. „Ihr habt alle so gut gearbeitet, da werden bestimmt alle gleich wiedergewählt.“ Brigitte Mertz berichtete für die Samtgemeinde vom geplanten Großumbau der Neetzer Grundschule.

Im Verlauf des Nachmittages wurden außerdem besonders treue Mitglieder des SoVD geehrt: Zehn Jahre dabei sind Annegret und Heinz-Jürgen Raulf Raulf, Iris und Wolfgang Holzmann, Cornelia Krüger, Ulrich Schweppe und das jüngste Mitglied des Ortsverbandes, Lukas Hauser. Für 25 Jahre Mitgliedschaft wurde Ursula Krönke geehrte und für 35 Jahre Friedrich Hagemann.

Nach den Regeln der Männer

Anikò Hauch steht entspannt am Rande des Saales, in dem die Zuhörer nach und nach ankommen. Obwohl sie nichts sagt oder tut, fällt sie auf: Es ist ihre Ausstrahlung, die sie sichtbar macht. Etwas, das zu der harten Schule gehört, wenn man als Frau in der Männerwelt mitmischen will.

Beim zweiten SoVD-Erzählcafé in Reppenstedt berichtete Anikó Hauch aus ihrem Leben und über ihre persönlichen männlichen Stolpersteine. „Das fing schon mit meinem Namen an“, plauderte die Wirtschaftsjuristin. „Weil er auf „o“ endet, hielten mich viele für einen Mann.“ Ständig bekam sie Mails und Briefe an „Herrn Hauch“, doch als sie deswegen vorstellig wurde, ignorierte Mann sie. Eine Kleinigkeit, könnte man meinen, doch dieser kleine Buchstabe sorgte für manche Überraschung bei Bewerbungsgesprächen, wo die Personalchefs eindeutig einen Mann erwartet und die Frau so schnell wie möglich wieder los werden wollten.

Schon als junge Frau hatte Anikó Hauch dieses kleine Problem mit ihrem aus dem ungarischen stammenden Vornamen. Kein Wunder, dass sie sich schon früh für die Mechanismen zwischen Männern und Frauen interessierte. „Alles ist verschieden, alles spielt eine Rolle“, erklärte Anikó Hauch. Sprache, Körpersprache, Kleidung und Auftreten können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dazu hatte die Wirtschaftsjuristin eine große Kiste Lesematerial mitgebracht und eine Literaturliste, die die Zuhörerinnen gern mitnahmen.

Anikó Hauch entwickelte eine Strategie und machte sich selbstständig. Ausgerechnet als Headhunterin und ausgerechnet spezialisiert auf typische Männerberufe. Mit Erfolg.

Schnell entspannen sich Diskussionen unter den Zuschauern. Ob sie denn als Personalmanagerin auch hatte feststellen müssen, dass Frauen mit gleicher Qualifikation nicht so gern genommen würden oder auch, dass ihnen schlicht weniger Geld angeboten werde. Beides musste Anikó Hauch bestätigen. „Das ist leider so, aber wir leben nun einmal in einer männerdominierten Gesellschaft und müssen nach deren Regeln spielen, wenn wir etwas erreichen wollen.“

Das SoVD-Erzählcafé ist eine Veranstaltungsreihe, die anlässlich „100 Jahre Frauen im SoVD“ und 100 Jahre Frauenwahlrecht ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die Zuhörer für das Thema Ungleichberechtigung zu sensibilisieren. Im Mittelpunkt des Erzählcafés steht immer eine Frau, die aus ihrem Leben berichtet. Vor allem darüber, wo sie als frau diskriminiert wurde. In der anschließenden Diskussion geht es um persönliche Erlebnisse von Referentin und Zuhörern und wie man etwas dagegen tun kann.

Geschichten über SoVD-Frauen

Gellersen. Ohne Frauen läuft nichts. Das wissen sogar einige Männer. Besonders deutlich wird das in diesem Jahr, da sich das Wahlrecht für Frauen in Deutschland zum 100. Male jährt. Wie wichtig die Frauen auch für den Aufbau des SoVD waren, zeigt der Film „100 Jahren Frauen im SoVD“, den der SoVD zu diesem besonderen Anlass gedreht hat. Der damalige Reichsbund war die erste Kriegsopferorganisation überhaupt, die Frauen aufnahm. Die Frauensprecherinnen Christiane Meyer, Hannelore Ortstein und der Ortverband Gellersen nahmen das zum Anlass zu einem gemeinsamen Filmcafé in das Gellersenhaus nach Reppenstedt einzuladen.

„Pflichten hatten die Frauen in unserer Gesellschaft schon immer, aber die Rechte mussten sie sich mühsam erkämpfen“, erinnerte Kreisvorsitzende Elfi Rosin zur Begrüßung. „Dazu haben die Frauen im SoVD viel beigetragen.“ Der Kampf währt bis heute, wie Elfi Rosin deutlich machte: Ungleiche Bezahlung, schlechteren Renten für Frauen und kaum Führungspositionen zeigen, dass es noch viel zu tun gibt. „Insbesondere im Europa-Wahljahr kommt es deshalb darauf an, ein starkes Zeichen für die Frauenrechte und eine tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern zu setzten“, betonte die Kreisvorsitzende. „Wir Frauen im SoVD fordern Gleichberechtigung – nicht gleich sondern sofort.“ Mit leisem Schmunzeln begrüßte sie auch ausdrücklich die Männer: „Fühlt Euch nicht als Quotenmänner, ich bin stolz auf Euch, dass Ihr Euch getraut habt hierherzukommen.“ Sie berichtete von der Suffragetten-Aktion des SoVD-Frauennetzwerkes aus den unterschiedlichsten Ortsverbänden und den Reaktionen der Landräte in Lüneburg und Lüchow.

Schon bald entspannt sich eine lebhafte Diskussion über Frauen heute und Damals. „Ich weiß noch, dass der Reichsbund damals dafür gesorgt hat, dass die private Handelsschule hier staatlich anerkannt wurde“, erinnerte sich Rita Witte. „Deshalb hat meine Mutter das Schulgeld für ein ganzes Jahr zurückbekommen.“

Mit Interesse verfolgten die Gäste des Film-Cafés die Geschichte der SoVD-Frauen, die der Film anschaulich zeigte. Von den Anfängen kurz nach dem Ersten Weltkrieg, über den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu den Aufgaben, vor denen die Frauenbewegung auch heute noch steht. Dabei wurden immer wieder Frauen vorgestellt, die sich engagiert haben, wie etwa Ida Rischa aus Hamburg, die von Anfang an dabei war und nach dem Zweiten Weltkrieg als erste Frau im Bundesvorstand mitgearbeitet hat.

Wenn es nach den Gästen des Filmcafés gegangen wäre, hätten die anschließenden Diskussionen noch lange weitergehen können.

SoVD-Frauenfrühstück und „100 Jahre Frauenwahlrecht“

100 Jahre Frauenwahlrecht waren für die Frauen des SoVD-Dannenberg Grund genug, um sie zum Thema ihres Frauenfrühstückes zu machen. Als Fachfrau hatten die SoVDlerinnen dazu die Gleichstellungsbeauftragte der Samtgemeinde Elbtalaue, Susanne Götting-Nilius eingeladen.

Sie referierte über die Anfänge der Frauenbewegung um 1800 herum. „Im 19. Jahrhundert bildeten sich Frauenvereine und Frauenstimmrechtsbewegungen, die sich für Frauenrechte einsetzen“, berichtete sie. Der erste internationale Frauentag wurde schon am 8. März 1911 gefeiert. Trotzdem machte Susanne Götting-Nilius deutlich: „Trotz Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1919 waren und sind die Frauen in den deutschen Parlamenten unterrepräsentiert“, erklärte sie. „Heute beträgt der Frauenanteil im Bundestag etwa 30 Prozent und im niedersächsischen Landtag 27 Prozent“.

Wie erfuhren die Menschen in Dannenberg von diesen Ereignissen? "Richtig interessant wird Geschichte insbesondere dann, wenn man sie lokal, vor Ort, nachvollziehen kann"  sagte Götting-Nilius. Damals berichtett die Zeitung über die vermeintlichen „Untaten“ der englischen Suffragetten, jedoch nicht über die Anfänge der Frauenbewegung in den deutschen Großstädten. Am 16.November 1918 - dem Tag als das Wahlrecht Gesetz wurde – fand sich nur eine kleine Notiz über die gravierende Änderung der Wahlordnung zur verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung, wonach künftig auch Frauen erstmals am 19. Januar 1919 wählen durften. In Dannenberg sind bis heute die Wahllisten dieser ersten Wahl vorhanden, aus denen man ersehen kann, welche Frauen damals kandidierten und gewählt wurden.

Als kleines Dankeschön für den Vortrag überreichte die zweite Vorsitzende des SoVD-Ortsverbandes Dannenberg, Angelika Schmidt, eine Gedenkmünze „100 Jahre Frauenwahlrecht“ an Susanne Götting-Nilius.

100 Jahre Frauenwahlrecht: Es gibt noch viel zu tun
Vortrag mit Hiltrud Lotze

„Selbstbewusste Frauen haben schon immer gesungen.“ Die Chorleiterin des Lüneburger Frauenchores L’Ohreley, Karin Malangré, weiß wovon sie spricht: Die Macht der Musik ist durchaus etwas, dass die Frauenrechtlerin aller Zeiten genutzt haben. Der Chor gestaltete das musikalische Rahmenprogramm am Vortragsabend „100 Jahre Frauenwahlrecht – und nun?“ im Rathaus Adendorf, zu dem der SoVD im Rahmen seiner Veranstaltungsreihe „100 Jahre Frauenrechte“ eingeladen hatte.

Eingestimmt mit dem „Marsch der Suffragetten“ begrüßte Bürgermeister Thomas Maack die rund 30 Zuhörer des Abends. „Endlich ist mal wieder etwas los im Rathaus“, schmunzelte er. Er dankte dem SoVD für die „vielen Vorschläge für interessante Veranstaltungen“ und berichtete vom Adendorfer Gleichstellungsplan. Von 183 Mitarbeitern im Rathaus sind 73 Frauen, doch in den 16 Führungspositionen sind sie den Männern mit 56 Prozent überlegen. „Im Rat sieht das ein bisschen anders aus“, rechnete der Bürgermeister vor. „Hier sind 85 Prozent Männer, da wünschte ich mir mehr Frauen.“

Dass der Weg zu Frauen in der Politik ein langer und steiniger war, davon berichtete anschließend Referentin Hiltrud Lotze. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete stellte gleich zu Beginn ihres Vortrags klar: „Frauen, macht Politik“. Nur so könne frau Einfluss nehmen auf Dinge, die ihr Leben direkt betreffen.

Sie nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Zeit, beginnend bei der französischen Revolution, wo ihrer Meinung nach die Wurzeln des Befreiungskampfes der Frauen lag. „Es war die Zeit der Revolutionen, in der alles im Umbruch war“, berichtete Hiltrud Lotze. „Die ursprüngliche Forderung der Frauen jedoch war das Recht auf Bildung.“ Frauen durften damals nicht arbeiten, keine Politik machen und hatten auch kein Versammlungsrecht. „Diese Verboten haben die Frauen kreativ umgangen, in dem sie Wohltätigkeitsvereine gründeten“, so Hiltrud Lotze. 

Die Referentin zeigte auf, wie sich die Frauen ab 1900 langsam aber sicher organisierten, bis der erste Weltkrieg schließlich alles beschleunigte. Bei dieser ersten Wahl mit Frauen am 19. Januar 1919 wurden 9,7 Prozent Abgeordnete - heute sind es knapp 30 Prozent.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es deutlich mehr Frauen als Männer. „Diese Frauen engagierten sich aber zunächst nicht in der neu formierten Politik, sondern gründeten Frauenausschüsse, in denen sie Frauen über ihre demokratischen Rechte aufklärten“, erzählte Hiltrud Lotze vom Neubeginn. Als 1949 an der neuen Verfassung gearbeitet wurde, starteten die Frauen jedoch eine bis dahin einzigartige Aktion: „Sie verschickten Tausende von Postkarten.“ Die Botschaft: Der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ muss in das neue Grundgesetz. Das Gesetz enthielt jedoch noch etliche andere Paragrafen, die auf den alten Verfassungen basierten, in denen Frauen nicht gleichberechtigt waren. „Eigentlich sollten all diese Gesetze bis 1953 angepasst werden, doch tatsächlich muss die Politik noch bis heute nachbessern“, machte Hiltrud Lotze klar. Erst 1958 kam das Gleichstellungsgesetz und 1994 – fast 40 Jahre später – wurde der Staat gesetzlich verpflichtet, die Gleichberechtigung durchzusetzen.

Doch der SoVD weiß, dass das bis heute nicht geklappt hat. Am deutlichsten wird das beim Equal-Pay-Day und der Rente. Hiltrud Lotze forderten die Frauen auf sich zu engagieren: „Politik ist die Schlüsselposition, um Dinge zu gestalten, deshalb ist es wichtig sich in den Ortsparlamenten zu beteiligen.“

Suffragetten loben Lüchows Verwaltung

Lüchow. „Oha, Sie sehen ja gut aus.“ Landrat Jürgen Schulze betrachtet überrascht die sechs „Suffragetten“, die da in seinem Konferenzraum stehen. Mit ihren langen dunklen Mänteln und den mit kämpferischen Slogans beschrifteten Schärpen wirkt die Frauengruppe des SoVD wie aus dem Geschichtsbuch gefallen. Doch tatsächlich hatte der Besuch der Damen einen höchst aktuellen Anlass: 100 Jahre Frauenwahlrecht und – Halbjahreszeugnisse.

„Wir haben uns erlaubt, auch Ihnen ein Zeugnis auszustellen“, erklärte die SoVD-Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer und verlas eine kleine Resolution, die nicht nur Verbesserungsvorschläge sondern auch Lob enthielt. Jürgen Schulz lauschte aufmerksam und nahm zu jedem Punkt Stellung.

Die SoVD-Suffragetten lobten den Landrat dafür, dass Frauen in seiner Verwaltung deutlich mehr Führungsstellen besetzen als etwa im benachbarten Landkreis Lüneburg. „Ich glaube tatsächlich, da sind wir ganz gut aufgestellt“, schmunzelte Schulz. Von den 328 Beschäftigen sind 188 Frauen und 140 Männer. Auch bei den 62 Beamten gibt es mit 35 mehr Frauen als Männer. „In den Stabsstellen haben wir sogar einen Frauenüberschuss, da sind nämlich drei Stellen mit Frauen und nur eine mit einem Mann besetzt“, erläuterte er. Bei den Fachdienstleitungen teilen sich die Geschlechter die Stellen genau auf.

Lediglich die Verwaltungsleitung war bislang eine reine Männerriege, obwohl Schulz auch hier gute Nachrichten hat: „Mit Maria Stellmann aus dem Fachdienst Bauen haben wir jetzt auch eine Frau in unseren Reihen.“

Die Suffragetten regten außerdem an, dass Schulz sich für eine weibliche Nachfolgerin einsetzen soll, wenn er im Oktober 2021 seinen Hut nimmt. Auch hier machte Schulz deutlich: „Ich wage zu behaupten, dass der nächste Landrat eine Landrätin wird, da bin ich mir ziemlich sicher“, verriet er.

Die Kritik der SoVD-Frauen, dass der Landkreis und die Samtgemeinde Lüchow sich eine Gleichstellungsbeauftragte teilen, wies er jedoch zurück. „Die Samtgemeinde Lüchow hat uns gebeten, dass Frau Maatsch übergangsweise in dieser Funktion auch für sie tätig ist“, erklärte er. Dieser Ball liegt sozusagen im Feld der Samtgemeinde. Was die politischen Mandate der Frauen im Kreistag angeht, regte Schulz an, dass doch die SoVD-Suffragetten sich selbst berufen fühlen könnten, in die Politik zu gehen.

Rund eine Stunde lang diskutierte der Landrat mit den Frauen. Dabei ging es nicht nur um Frauenrechte und Gleichstellung sondern auch um harte politische Fakten, wie Haushaltsfragen, Stärkung und Erhalt der Infrastruktur in Lüchow und vieles mehr. Insgesamt waren die SoVD-Suffragetten sehr zufrieden mit ihrem Besuch in Lüchow-Dannenberg. „Wir waren angenehm überrascht von den kompetenten Antworten und der Atmosphäre während des Gespräches“, sagte Christiane Meyer. „Wir sind schon gespannt darauf, welche Innovationen der Landkreis Lüchow-Dannenberg in der Zukunft entwickelt.“

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat wanderten die Suffragetten noch durch die Stadt und verteilten Infoblätter zum Thema Frauenrechte.

Suffragetten in der Stadt

Da staunte Landrat Manfred Nahrstedt nicht schlecht: Acht als Suffragetten verkleidete Damen samt Schärpen und Hüten rauschten in sein Büro. In der Hand eine Resolution, die mehr Frauenrechte in der Verwaltung fordert. „Auch wenn schon 100 Jahre vergangen sind, seit Frauen das Wahlrecht bekommen haben, in Sachen Gleichberechtigung gibt es noch eine Menge zu tun“, sagte SoVD-Kreisvorsitzende Elfi Rosin, während sie dem Verwaltungschef die Resolution in die Hand drückte. Die SoVD-Frauen forderten darin unter anderem eine jeweils eigene Gleichstellungsbeauftragte für Stadt und Landkreis, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und mehr Aufstiegschancen für Frauen in der Verwaltung.

Doch der Landrat sah in diesen Bereichen nicht wirklich einen Handlungsbedarf. „Die Zusammenarbeit mit der bisherigen Gleichstellungsbeauftragten ist gut gelaufen und das werden wir so auch beibehalten“, lehnte er gleich den ersten Punkt ab. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle gebe es im Landkreis von Gleichzeit bis hin zum Jobsharing bereits. Was die Neubesetzung von Stellen angeht erklärte er: „Wir besetzen unsere Stellen streng nach dem Prinzip Leistung, Eignung und Befähigung.“

Der Besuch beim Landrat war der Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Thema Frauenrechte, die sich in den kommenden Monaten fortsetzt (siehe seitlicher Kasten). „Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahren Frauenwahlrecht und 100 Jahre Frauen im SoVD“, erklärte Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer die Idee.

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat machten sich die Suffragetten auf den Weg durch die Einkaufsstraße, um Info-Flugblätter zu verteilen und zu einem Kino-Film einzuladen. Die Passantinnen reagierten aufgeschlossen. „Das ist eine gute Sache, da gibt es noch viel zu tun“, sagte eine Frau und eine andere ergänzte: „Ich erinnere mich noch daran, wie meine Oma mir erzählte, wie sehr sie sich freute, als sie zu ersten Male wählen gehen durfte.“

Die acht Suffragetten zogen die Blicke auf sich und neugierig suchten einige Frauen auch selbst das Gespräch mit den SoVD-Frauen. „Das war wirklich eine tolle Aktion“, freute sich Christiane Meyer. „Auch die Resonanz auf den Kinofilm „Die Göttliche Ordnung“, den wir vom SoVD ins Scala geholt haben, war durchweg positiv.“ In dem Film geht es um ein Schweizerisches Dorf, in dem Frauen sich 1971 das Wahlrecht erkämpften. Die Frauen, die den Handzettel der Suffragetten im Kino vorlegen bekommen 5 Euro Ermäßigung auf den Film.