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Suffragetten loben Lüchows Verwaltung

Lüchow. „Oha, Sie sehen ja gut aus.“ Landrat Jürgen Schulze betrachtet überrascht die sechs „Suffragetten“, die da in seinem Konferenzraum stehen. Mit ihren langen dunklen Mänteln und den mit kämpferischen Slogans beschrifteten Schärpen wirkt die Frauengruppe des SoVD wie aus dem Geschichtsbuch gefallen. Doch tatsächlich hatte der Besuch der Damen einen höchst aktuellen Anlass: 100 Jahre Frauenwahlrecht und – Halbjahreszeugnisse.

„Wir haben uns erlaubt, auch Ihnen ein Zeugnis auszustellen“, erklärte die SoVD-Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer und verlas eine kleine Resolution, die nicht nur Verbesserungsvorschläge sondern auch Lob enthielt. Jürgen Schulz lauschte aufmerksam und nahm zu jedem Punkt Stellung.

Die SoVD-Suffragetten lobten den Landrat dafür, dass Frauen in seiner Verwaltung deutlich mehr Führungsstellen besetzen als etwa im benachbarten Landkreis Lüneburg. „Ich glaube tatsächlich, da sind wir ganz gut aufgestellt“, schmunzelte Schulz. Von den 328 Beschäftigen sind 188 Frauen und 140 Männer. Auch bei den 62 Beamten gibt es mit 35 mehr Frauen als Männer. „In den Stabsstellen haben wir sogar einen Frauenüberschuss, da sind nämlich drei Stellen mit Frauen und nur eine mit einem Mann besetzt“, erläuterte er. Bei den Fachdienstleitungen teilen sich die Geschlechter die Stellen genau auf.

Lediglich die Verwaltungsleitung war bislang eine reine Männerriege, obwohl Schulz auch hier gute Nachrichten hat: „Mit Maria Stellmann aus dem Fachdienst Bauen haben wir jetzt auch eine Frau in unseren Reihen.“

Die Suffragetten regten außerdem an, dass Schulz sich für eine weibliche Nachfolgerin einsetzen soll, wenn er im Oktober 2021 seinen Hut nimmt. Auch hier machte Schulz deutlich: „Ich wage zu behaupten, dass der nächste Landrat eine Landrätin wird, da bin ich mir ziemlich sicher“, verriet er.

Die Kritik der SoVD-Frauen, dass der Landkreis und die Samtgemeinde Lüchow sich eine Gleichstellungsbeauftragte teilen, wies er jedoch zurück. „Die Samtgemeinde Lüchow hat uns gebeten, dass Frau Maatsch übergangsweise in dieser Funktion auch für sie tätig ist“, erklärte er. Dieser Ball liegt sozusagen im Feld der Samtgemeinde. Was die politischen Mandate der Frauen im Kreistag angeht, regte Schulz an, dass doch die SoVD-Suffragetten sich selbst berufen fühlen könnten, in die Politik zu gehen.

Rund eine Stunde lang diskutierte der Landrat mit den Frauen. Dabei ging es nicht nur um Frauenrechte und Gleichstellung sondern auch um harte politische Fakten, wie Haushaltsfragen, Stärkung und Erhalt der Infrastruktur in Lüchow und vieles mehr. Insgesamt waren die SoVD-Suffragetten sehr zufrieden mit ihrem Besuch in Lüchow-Dannenberg. „Wir waren angenehm überrascht von den kompetenten Antworten und der Atmosphäre während des Gespräches“, sagte Christiane Meyer. „Wir sind schon gespannt darauf, welche Innovationen der Landkreis Lüchow-Dannenberg in der Zukunft entwickelt.“

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat wanderten die Suffragetten noch durch die Stadt und verteilten Infoblätter zum Thema Frauenrechte.

Suffragetten in der Stadt

Da staunte Landrat Manfred Nahrstedt nicht schlecht: Acht als Suffragetten verkleidete Damen samt Schärpen und Hüten rauschten in sein Büro. In der Hand eine Resolution, die mehr Frauenrechte in der Verwaltung fordert. „Auch wenn schon 100 Jahre vergangen sind, seit Frauen das Wahlrecht bekommen haben, in Sachen Gleichberechtigung gibt es noch eine Menge zu tun“, sagte SoVD-Kreisvorsitzende Elfi Rosin, während sie dem Verwaltungschef die Resolution in die Hand drückte. Die SoVD-Frauen forderten darin unter anderem eine jeweils eigene Gleichstellungsbeauftragte für Stadt und Landkreis, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle und mehr Aufstiegschancen für Frauen in der Verwaltung.

Doch der Landrat sah in diesen Bereichen nicht wirklich einen Handlungsbedarf. „Die Zusammenarbeit mit der bisherigen Gleichstellungsbeauftragten ist gut gelaufen und das werden wir so auch beibehalten“, lehnte er gleich den ersten Punkt ab. Familienfreundliche Arbeitszeitmodelle gebe es im Landkreis von Gleichzeit bis hin zum Jobsharing bereits. Was die Neubesetzung von Stellen angeht erklärte er: „Wir besetzen unsere Stellen streng nach dem Prinzip Leistung, Eignung und Befähigung.“

Der Besuch beim Landrat war der Auftakt einer Veranstaltungsreihe zum Thema Frauenrechte, die sich in den kommenden Monaten fortsetzt (siehe seitlicher Kasten). „Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahren Frauenwahlrecht und 100 Jahre Frauen im SoVD“, erklärte Kreisfrauensprecherin Christiane Meyer die Idee.

Im Anschluss an den Besuch beim Landrat machten sich die Suffragetten auf den Weg durch die Einkaufsstraße, um Info-Flugblätter zu verteilen und zu einem Kino-Film einzuladen. Die Passantinnen reagierten aufgeschlossen. „Das ist eine gute Sache, da gibt es noch viel zu tun“, sagte eine Frau und eine andere ergänzte: „Ich erinnere mich noch daran, wie meine Oma mir erzählte, wie sehr sie sich freute, als sie zu ersten Male wählen gehen durfte.“

Die acht Suffragetten zogen die Blicke auf sich und neugierig suchten einige Frauen auch selbst das Gespräch mit den SoVD-Frauen. „Das war wirklich eine tolle Aktion“, freute sich Christiane Meyer. „Auch die Resonanz auf den Kinofilm „Die Göttliche Ordnung“, den wir vom SoVD ins Scala geholt haben, war durchweg positiv.“ In dem Film geht es um ein Schweizerisches Dorf, in dem Frauen sich 1971 das Wahlrecht erkämpften. Die Frauen, die den Handzettel der Suffragetten im Kino vorlegen bekommen 5 Euro Ermäßigung auf den Film.